Was ist eine Bestattungsverfügung?

Eine Bestattungsverfügung ist eine schriftliche Willenserklärung, in der eine Person festlegt, wie ihre eigene Bestattung gestaltet werden soll. Sie gibt Auskunft über Art und Ort der Bestattung sowie über persönliche Wünsche zur Trauerfeier. Diese Verfügung stellt sicher, dass die eigenen Vorstellungen berücksichtigt werden und entlastet die Angehörigen in einer ohnehin emotional herausfordernden Zeit.

Anders als ein Testament, das sich in erster Linie mit der Verteilung des Nachlasses befasst, konzentriert sich die Bestattungsverfügung auf den letzten Willen zur Organisation und zum inhaltlichen Ablauf des eigenen Begräbnisses. Im Gegensatz zum Testament sollten den Angehörigen daher die Inhalte der Bestattungsverfügung bereits vor oder unmittelbar nach dem Tod bekannt sein, damit das Begräbnis auch tatsächlich nach den Wünschen des Verstorbenen umgesetzt werden kann.

Ein älterer Mann überprüft den Inhalt seiner Bestattungsverfügung

Warum ist eine Bestattungsverfügung wichtig?

Jeder Mensch geht unterschiedlich mit den Gedanken an potenzielle Notfallsituationen oder sogar den eigenen Tod um. Während sich die einen nicht mit diesen Themen beschäftigen möchten, tun sich andere mit der fehlenden Kontrolle über oft beängstigende Lebenssituationen schwer. Gerade für letztere kann es eine Beruhigung sein, zwar nicht den Eintritt eines Not- oder Todesfalls beeinflussen zu können, aber den Umgang mit diesen dennoch gestalten zu dürfen. So stellen sie sicher, dass die eigenen Wünsche gewahrt werden, denn viele Menschen haben konkrete Vorstellungen davon, wie sie bestattet werden möchten. Während einige eine traditionelle Erdbestattung bevorzugen, wünschen sich andere eine naturnahe Lösung wie eine See- oder eine Waldbestattung. Auch der Ablauf der Trauerfeier kann eine große Rolle spielen. Ohne eine schriftliche Verfügung könnten diese Wünsche übergangen werden, sei es aus Unwissenheit oder aufgrund unterschiedlicher Meinungen der Angehörigen.

Der Gedanke an das Ableben ist jedoch oft nicht nur für den Betroffenen selbst beängstigend. Der Tod eines geliebten Menschen ist für Hinterbliebene eine schwere Belastung. Während die Angehörigen mit ihrer Trauer umgehen müssen, stehen sie häufig unter starkem organisatorischem Stress. Neben der Regelung von Formalitäten müssen sie sich auch mit der Bestattung befassen. Ohne klare Vorgaben stellt sich schnell die Frage: „Was hätte sich der Verstorbene gewünscht?“. Liegt keine Verfügung vor, müssen die nächsten Verwandten diese Entscheidungen treffen – nicht selten unter Zeitdruck. Unterschiedliche Vorstellungen innerhalb der Familie können zu Unsicherheiten oder sogar Konflikten führen. Wer eine Bestattungsverfügung hinterlässt, nimmt seinen Angehörigen diese Bürde ab. Selbst wenn man nur bestimmt, dass die Angehörigen alle Entscheidungen rund um die Bestattung selbst treffen sollen und man keinen eigenen Willen formulieren möchte, kann das den Liebsten das beruhigende Gefühl vermitteln, im Grunde nichts falsch machen zu können.

Ein Beispiel: Ein Verstorbener hat keinen Wunsch hinsichtlich seiner Bestattungsform geäußert. Während ein Teil der Familie findet, dass zur Person des Verstorbenen ein Waldbegräbnis passen würde, sind andere Befürworter einer traditionellen Sargbestattung. Da keiner einfach nachgeben möchte, kommt es zu langwierigen Diskussionen und Streit. Ein schriftlich formulierter Wünsch hätte hier Abhilfe verschaffen können.

Wie sieht eine Bestattungsverfügung aus? 

Eine Bestattungsverfügung sollte möglichst präzise formuliert sein, damit keine Interpretationsspielräume entstehen. Sie kann formlos aufgesetzt werden, sollte aber klar und eindeutig sein. Wichtige Inhalte sind:

  • Bestattungsart: Erd-, Feuer-, Wald- oder Seebestattung?
  • Bestattungsort: Gibt es eine Wunschgrabstätte oder eine bevorzugte Region?
  • Trauerfeier: Soll eine Zeremonie stattfinden? Falls ja, mit welcher Musik oder welchen Rednern?
  • Religiöse oder weltliche Rituale: Gibt es bestimmte Vorstellungen zur Gestaltung?
  • Finanzielle Regelung: Gibt es einen Bestattungsvorsorgevertrag oder eine Sterbegeldversicherung?
  • Sonstige Wünsche: Persönliche Abschiedsworte, Kleidung oder spezielle Wünsche für Blumen und Dekoration.

Solche klaren Vorgaben helfen den Angehörigen, den letzten Abschied genau nach den Vorstellungen des Verstorbenen zu gestalten.

LV 1871 Grafik: Diese Fragen sollte eine Bestattungsverfügung beantworten

Wo hinterlegt man eine Bestattungsverfügung?

Damit die Bestattungsverfügung im Ernstfall berücksichtigt wird, sollte sie an einem leicht zugänglichen Ort aufbewahrt werden. Eine Ablage im Bankschließfach ist beispielsweise wenig sinnvoll, da dieses oft erst nach der Bestattung geöffnet wird. Besser ist es, die Verfügung:

  • zu Hause an einem bekannten, leicht auffindbaren Ort zu hinterlegen,
  • nahestehenden Angehörigen oder dem Bevollmächtigten zu übergeben,
  • bei einem Bestattungsunternehmen oder Notar zu hinterlegen.

Es kann außerdem hilfreich sein, die Bestattungsverfügung mit einer Vorsorgevollmacht zu kombinieren. In dieser kann eine Vertrauensperson bevollmächtigt werden, die eigenen Wünsche bis über den Tod hinaus durchzusetzen.

Ist eine Bestattungsverfügung rechtsverbindlich?

Eine Bestattungsverfügung ist grundsätzlich nicht rechtsverbindlich wie ein Testament, sie wird jedoch als Ausdruck des persönlichen Willens angesehen. Nach deutschem Recht sind in erster Linie die nächsten Angehörigen für die Bestattungsentscheidungen zuständig. Liegt eine Bestattungsverfügung vor, kann grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass der formulierte Wille auch respektiert wird.

Allerdings kann es Situationen geben, in denen Angehörige aus persönlichen oder finanziellen Gründen von den Wünschen abweichen. Sind Zuständigkeiten für einzelne Fragestellungen zu ungenau definiert, bleibt also beispielsweise die Entscheidung der teils großen Gruppe der Angehörigen überlassen, bleibt das Risiko unnötiger Diskussionen und Streitigkeiten erhalten. Es kann daher sinnvoll sein, die Bestattungsvorsorge in Ergänzung zu präzisierenden und rechtsverbindlicheren Dokumenten zu verfassen. Dazu bestehen mehrere Möglichkeiten:

  1. Eine Person des Vertrauens bevollmächtigen: In einer Vorsorgevollmacht kann festgelegt werden, dass eine bestimmte Person für die Umsetzung der Bestattungsverfügung zuständig ist.
  2. Einen Bestattungsvorsorgevertrag abschließen: Hierbei werden bereits zu Lebzeiten alle Details mit einem Bestattungsinstitut festgelegt und finanziell abgesichert.
  3. Sterbegeldversicherung oder Treuhandkonto nutzen: Finanzielle Mittel können bereits im Voraus bereitgestellt werden, sodass die Angehörigen keine zusätzlichen Kosten tragen müssen.

Bestattungsverfügung als Teil der Notfallplanung

Jede Form der präventiven Notfallabsicherung ist ein wichtiger Baustein für einen verantwortungsvollen Umgang mit sich und seinen Liebsten. Ist die Regelung des eigenen Todes das priorisierte Anliegen, ist eine Bestattungsverfügung, idealerweise ergänzt um Testament, Sterbegeldversicherung oder auch Bestattungsvorsorgevertrag, eine sinnvolle Lösung. Es sollte dabei jedoch nicht außer Acht bleiben, dass eine Notfallsituation jederzeit eintreten kann und damit nicht nur der Todesfall gemeint ist. Unfälle und schwere Krankheiten können ebenso, wenn nicht sogar mehr noch, die präventive Auseinandersetzung mit dem eigenen Willen erfordern. Besteht also der Wunsch, auch andere Notfallsituationen zu regeln, sollte eine Bestattungsverfügung nicht isoliert betrachtet werden. Sie kann ergänzt werden durch weitere Vorsorgedokumente wie:

  • Vorsorgevollmacht: Bestimmt eine Vertrauensperson für wichtige Entscheidungen.
  • Patientenverfügung: Legt medizinische Behandlungswünsche für den Fall fest, dass man sich nicht mehr äußern kann.

Wer solche Dokumente frühzeitig erstellt, schafft Sicherheit für sich selbst und seine Angehörigen.

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Über den Autor

Christoph Steinberger ist seit 2006 als Finanzberater tätig und verfügt über umfassende und tiefgehende Erfahrungen im deutschen Steuer-, Versicherungs- und Rentenrecht. Mit seinen Abschlüssen als Generationenberater und Testamentsvollstrecker (IHK) setzt er sich mit großer Leidenschaft für präventive Notfallvorsorge ein und bietet dabei eine besonders persönliche Beratung. Seine Expertise teilt er regelmäßig in Fachpublikationen, sozialen Medien und als inspirierender Keynote-Speaker.

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