Deutsche Arbeitnehmer sind müde und fühlen sich erschöpft. Studien zufolge ist der Hauptfaktor von Erschöpfungszuständen nicht etwa Überforderung, sondern Unterforderung. Mitarbeiter laugt also nicht nur zu viel Arbeit aus, sondern auch zu wenig – wenn sie nicht genug Aufgaben bekommen oder diese als sinnlos betrachten. Werden Unterforderung und Langeweile zum Dauerzustand, kann sich daraus ein Boreout entwickeln.

Wir erklären dir in diesem Beitrag, was Boreout ist, wie es sich äußert und wie du ihm entgegenwirkst.

Was ist Boreout?

Boreout leitet sich vom englischen Begriff Boredom ab, was auf Deutsch Langeweile heißt. Es bezieht sich auf einen Zustand der chronischen Unterforderung im Job. Betroffene fühlen sich nicht ausreichend gefordert. Sprich: Sie können ihr volles Potenzial nicht ausschöpfen.

Boreout ist nicht selten: Erschöpfung am Arbeitsplatz betrifft jede zweite Person in Deutschland – es sind also Millionen von Arbeitnehmern betroffen. Besonders weit verbreitet ist Boreout in Bürojobs mit sich wiederholenden oder wenig anspruchsvollen Aufgaben. Mit der Digitalisierung und der daraus entstandenen neuen Arbeitswelt hat sich das Problem verstärkt: Automatisierung übernimmt viele Routinetätigkeiten, während hybride und remote Arbeitsweisen den direkten Austausch reduzieren. Zwar fallen so repetitive Aufgaben weg, allerdings fühlen sich Mitarbeiter schneller überflüssig und isoliert.LV1871 Balkendiagramm Erschoepfung Boreout (Quelle: Auctority Studie 2023)

Was sind die Ursachen von Boreout?

Die Hauptursache von Boreout ist eine anhaltende Unterforderung im Beruf. Diese entsteht zum einen, wenn deine Erwartungshaltung nicht der Realität entspricht. Du möchtest eigentlich sinnstiftenden Tätigkeiten nachgehen oder mehr Verantwortung übernehmen. Stattdessen bist du in monotonen  Aufgaben gefangen oder hast schlicht zu wenig zu tun.

Boreout kann auch durch strukturelle Probleme im Unternehmen entstehen: Mitarbeiter wissen vielleicht gar nicht, dass ihre Aufgaben einen Sinn haben oder die Ressourcenverteilung ist ineffizient gestaltet. So oder so liegen die Ursachen von Boreout am Arbeitsplatz:

  • Monotone oder sinnlose Aufgaben: Deine Arbeit fordert dich nicht genug oder ist wenig abwechslungsreich.
  • Zu wenig Verantwortung: Du fühlst dich überflüssig, weil du keine Entscheidungen selbst treffen darfst.
  • Fehlende Entwicklungsmöglichkeiten: Dir fehlt die Perspektive im Job.
  • Zu wenig Arbeitsvolumen: Du hast so wenig zu tun, dass du das Gefühl hast, du müsstest die Arbeitszeit „absitzen“.
  • Mangelnde Wertschätzung: Dein Beitrag zum Unternehmenserfolg ist nicht sichtbar.
  • Falsche Jobwahl: Deine Aufgaben passen nicht zu deinen Stärken und Interessen und so verlierst du den Antrieb.

Langeweile vs. Boreout

Wichtig zu wissen: Du steckst nicht sofort im Boreout, nur weil du dich mal gelangweilt oder unmotiviert fühlst. Es gehört zum Berufsleben dazu, sich mal unterfordert oder nicht wertgeschätzt zu fühlen. Ein echtes Boreout entsteht erst, wenn mehrere dieser Faktoren über einen längeren Zeitraum zusammentreffen und deine Zufriedenheit und dein Wohlbefinden dauerhaft beeinträchtigen.

Das bedeutet: Nicht jede langweilige Woche im Job ist automatisch ein Warnsignal. Aber wenn die Unzufriedenheit chronisch wird und du dich dauerhaft sinnlos beschäftigt, erschöpft oder fehl am Platz fühlst, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Kurz gefasst: Langeweile kommt und geht – Boreout bleibt.

Was sind Warnzeichen von Boreout?

Boreout entsteht schleichend. Deshalb solltest du die Warnzeichen von Beginn an beobachten und diese ernst nehmen, wenn sie wiederkehrend sind oder länger andauern.

Du denkst, Boreout könnte der Grund für deine Probleme sein? Dann mache den Selbsttest und beantworte folgende Fragen:

  • Fühlst du dich oft unterfordert bei der Arbeit?
  • Langweilt dich deine Arbeit über einen längeren Zeitraum?
  • Findest du, dass deine Führungskraft dich nicht ausreichend wertschätzt?
  • Sitzt du deine Arbeitszeit in der Regel eher ab?
  • Bist du bei selbst kleinsten To-dos motivationslos?
  • Lenkst du dich auf der Arbeit häufig selbst ab?
  • Bist du nach der Arbeit regemäßig erschöpft, obwohl du wenig gemacht hast?
  • Stagniert deine berufliche Entwicklung?

Falls du mehrere Fragen mit „Ja“ beantwortest, könnte Boreout der Grund sein.

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Weitere Informationen

Welche Symptome weisen auf Boreout hin?

Wer erste Warnzeichen von Boreout ignoriert, tritt schnell in die Boreout-Falle. Dann wirkt sich die Unterforderung auf Körper und Geist aus. Langfristig kann das zu ernstzunehmenden Problemen führen.

Geistige Symptome

Meist wirkt sich Boreout als erstes auf die Psyche aus. Dazu zählen bereits erste Warnzeichen wie Motivationsverlust oder Langeweile. Langfristig verlierst du an innerer Ruhe und wirst wegen deines Jobs immer frustrierter. Die Folge sind Konzentrationsprobleme – du schweifst ständig von deinen Aufgaben ab. Stattdessen scrollst du auf Social Media oder prokrastinierst – ziehst deine Aufgaben in die Länge.

Kurz- bis mittelfristig sind die Symptome auch im Privatleben präsent und beschränken sich nicht mehr allein auf Situationen im Job: Die Antriebslosigkeit zieht sich durch dein Leben. Du hast keine Lust mehr auf Sport, deine Hobbys oder darauf Freunde zu treffen und isolierst dich mehr und mehr. Mit der Zeit fühlst du dich im Unternehmen fehl am Platz. Infolgedessen distanzierst du dich von deinem Team oder deiner Arbeit generell.

Zusammengefasst sind das die geistigen Symptome eines Boreouts:

  • Langeweile
  • Motivationsverlust
  • Innere Unruhe
  • Frustration
  • Antriebslosigkeit
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Soziale Distanzierung

Körperliche Symptome

Körperlich zeigen sich viele Anzeichen von Boreout erst viel später. Zu Beginn fühlst du dich stark erschöpft und müde – und das, obwohl du eigentlich nicht viel gemacht hast. Mit der Zeit kommen immer mehr Symptome dazu. Die Anspannung zeigt sich in auftretenden Kopf-, Kiefer- und Rückenschmerzen. Zudem plagen dich Schlafprobleme oder Magen-Darm-Beschwerden.

Denn auch ein unterforderter Geist kann sich gestresst anfühlen und sich beispielsweise in schneller Reizbarkeit äußern. Hinzukommt ein Gefühl von Nervosität. Es tritt zum Beispiel auf, wenn du sonntags an den kommenden Montag denkst oder früh morgens zur Arbeit fährst. Langfristig kann ein Boreout deinen Körper krank machen – er ist anfälliger für Infekte oder es treten Symptome wie Tinnitus oder Schwindel auf.

Körperliche Symptome eines Boreouts im Überblick:

  • Rücken- und Nackenprobleme
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Schlafstörungen
  • Erhöhte Reizbarkeit
  • Nervosität
  • Geschwächtes Immunsystem
  • Tinnitus
  • Schwindel

Burnout Syndrom vs. Boreout Syndrom

Symptome des Boreout-Syndroms wie Schlaf- und Motivationslosigkeit oder Erschöpfung können genauso gut auf ein Burnout zutreffen. Burnout und Boreout können langfristig zu gesundheitlichen Problemen führen. Was aber unterscheidet diese beiden Krankheitsbilder?

Ein Burnout entsteht durch Dauerstress und Überarbeitung, während ein Boreout durch Langeweile entsteht. Ein Burnout ist also ein anhaltender Zustand der Überforderung, Boreout der Unterforderung. Zwar ähneln sich geistige und körperliche Symptome der beiden Krankheitsbilder, die Mechanismen sind jedoch grundverschieden.

Boreout, könnte man sagen, ist das Gegenteil vom Burnout. Bei einem Burnout siehst du dich mit zu vielen Aufgaben, hohem Druck und Perfektionismus konfrontiert. Trotz Erschöpfung arbeitest du so lange weiter, bis nichts mehr geht. Während der Zeit denkst du dir häufig „Ich kann nicht mehr“.

Bei einem Boreout fühlst du dich nutzlos, weil du zu wenige Aufgaben erhältst oder immer wieder dieselben langweiligen To-dos abarbeiten musst. Du fühlst dich gelangweilt und wirst desinteressiert, bis dich eine innerer Leere füllt. Boreout-Betroffene reagieren darauf mit Prokrastination und sozialem Rückzug. Dein Gedanke „Ich will nicht mehr“.

Was sind Phasen des Boreout-Syndroms?

Je länger ein Boreout andauert, desto schwerwiegender werden deine gesundheitlichen Probleme. Das Boreout unterteilt sich in drei Phasen:

Phase 1: Unterschwellige Unzufriedenheit

Zu Beginn eines Boreouts fühlt sich die Arbeit langweilig oder sinnlos an. Es schleicht sich eine leichte Unzufriedenheit ein, die allerdings noch keine ernsthafte Belastung für deinen Körper und Geist ist. In der Hoffnung, dass sich die Situation bald verbessert, lenkst du dich während der Arbeitszeit häufig mit privaten Dingen ab. Mit steigender Prokrastination sinkt deine Leistung.

Phase 2:  Hohes Frustrationsniveau

Mittelfristig wechselt dein Gemütszustand von ständiger Langeweile zu Frustration. Das wirkt sich auf deine körperliche und psychische Gesundheit aus. Du bist häufiger müde, fühlst dich innerlich unruhig, verbitterst und bist schneller reizbar. Aufgaben zögerst du zu diesem Zeitpunkt bewusst hinaus, um den Arbeitstag künstlich zu füllen. Auch aus deinem Team ziehst du dich mehr und mehr zurück und kannst dich immer weniger mit deinem Job identifizieren.

Phase 3: Resignation

Dass Betroffene meist schon innerlich gekündigt haben, offenbart sich durch den totalen Rückzug aus dem eigenen Team. Dahinter stehen psychische Probleme. Denn langfristig endet die Unterforderung in Demotivation, oftmals begleitet von depressiven Stimmungen. Menschen mit Boreout sind häufig geplagt von Selbstzweifeln und dem Gefühl, nichts Sinnvolles beizutragen. In dieser Phase treten auch körperliche Symptome wie Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafprobleme oder Infektanfälligkeiten auf.

Diagnose Boreout: Behandlungsmethoden und -ansätze

Boreout ist mit keinem kurzfristigen Motivationstief zu verwechseln. Bei Boreout handelt es sich um eine psychische Belastung, die Körper und Geist schädigen kann. Noch immer ist es allerdings so, dass Boreout keine anerkannte psychische oder körperliche Krankheit ist. Entsprechend gibt es auch keine Diagnostik.

Behandlungsmethoden beschränken sich aus diesem Grund auf geistige Therapien. Der Weg zu einem Psychologen kann Betroffenen des Boreout-Syndroms weiterhelfen. Beispielsweise hilft eine Psychotherapie dabei, Boreout-Symptome und deren Auswirkungen zu erkennen sowie Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Auch medizinisch begleitete Achtsamkeits- oder Resilienztrainings sind alternative Behandlungsmethoden für einen Boreout.

Boreout vorbeugen: Das sind Wege

Allgemein gilt: Je früher du die Warnzeichen eines Boreouts erkennst, desto leichter kannst du ihnen entgegenwirken. Auch Arbeitgeber stehen in der Pflicht, dem Boreout ihrer Mitarbeiter vorzubeugen. Schließlich hat jeder Arbeitgeber auch eine Sorgfaltspflicht gegenüber seinen Beschäftigten. Allerdings ist juristisch fraglich, inwieweit diese einen Boreout inkludiert.

Was Arbeitgeber unternehmen können

In den meisten Fällen gibt es einen Sinn hinter der Arbeit der Beschäftigten. Er wird schlicht unzureichend kommuniziert. Deshalb ist es die erste Aufgabe von Arbeitgebern, Werte und Auswirkungen der Arbeit ihrer Mitarbeiter klar zu benennen. Im nächsten Schritt sollten Mitarbeiter die Möglichkeit haben, ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Dies fördern Arbeitgeber, indem sie ihre Mitarbeiter in Entscheidungsprozesse einbinden und ihnen Entwicklungsperspektiven aufzeigen. Arbeitsmodelle á la „Weiterbildung on the Job wie Job-Enrichment oder Job-Rotation unterstützen dabei, den Sinn der Arbeit selbst zu erkennen.

Ineffiziente Strukturen können allerdings auch dazu führen, dass Mitarbeiter fast nur wiederholende Arbeiten umsetzen müssen oder zu wenig Aufgaben übertragen bekommen. Deshalb stehen Arbeitgeber ebenfalls in der Pflicht, Teams so aufzustellen, dass jede Person eine sinnvolle Rolle einnimmt und der Arbeitsanteil gleichmäßig aufgeteilt ist.

Wie du dir selbst hilfst

Um dem Boreout-Syndrom vorzubeugen, hilft es häufig, selbst proaktiv zu werden. Solltest du erste Warnzeichen erkennen, reflektiere zunächst deine Arbeitszufriedenheit: Stell dir zum Beispiel die Frage, ob du dich ausreichend gefordert fühlst. Gehe dann weiter und versuche den Sinn hinter deiner Arbeit zu erkennen. Sollte deine Arbeitszufriedenheit eher schlecht ausfallen, kannst du das Gespräch mit deinen Vorgesetzten suchen, um die Probleme frühzeitig zu lösen.

Nutze das Gespräch idealerweise, um neue Projekte oder Verantwortlichkeiten direkt zu übernehmen. Fordere zum Beispiel Weiterbildungen ein oder frage explizit nach Aufgaben, die du ab sofort übernehmen kannst. Sollte doch mal Leerlauf entstehen, nutze ihn sinnvoll. Statt auf Social Media zu scrollen, kannst du kognitiv aktiv werden. Höre einen Podcast zur Weiterbildung oder lies einen Fachartikel. Das alles hält dich wach und du fühlst dich am Ende der Phase gut ausgelastet. Gegen das Boreout-Syndrom hilft es zuletzt, sich persönliche Ziele zu stecken. Teile deine Aufgaben zum Beispiel in kleinste Herausforderungen ein. So motivierst du dich alle To-dos abzuarbeiten.

Aber sei auch ehrlich zu dir selbst: Findet langfristig keine Verbesserung statt, könnte eine berufliche Neuorientierung der Weg aus dem Boreout sein.

Fazit: Gegen Boreout am Arbeitsplatz vorgehen

Wer erste Warnzeichen eines Boreouts erkennt, sollte handeln. Zwar ist das Boreout-Syndrom noch keine anerkannte Krankheit, allerdings kann es zu einer gesundheitlichen Belastung werden. Denn eine Unterforderung im Job kann im Zweifel in einer Sinnkrise enden oder körperliche und psychische Folgen nach sich ziehen. Langfristig können sich die Symptome eines Boreouts wie etwa Tinnitus oder Schwindel auch auf die Arbeitsfähigkeit auswirken. Deshalb solltest du nicht nur bei körperlich anspruchsvollen Berufen frühzeitig über eine Berufsunfähigkeitsversicherung nachdenken. Prinzipiell ist eine BU-Absicherung immer sinnvoll, wenn du von einem regelmäßigen Einkommen abhängig bist.

Um dauerhafte Folgen zu vermeiden, können sowohl Unternehmen als auch Beschäftigte einem Boreout-Syndrom aktiv entgegenwirken. Arbeitgeber sind gefragt, sinnvolle Aufgabenverteilung, Weiterentwicklungsmöglichkeiten und offene Kommunikation zu fördern. Beschäftigte sollten hingegen ihre eigene Arbeitszufriedenheit reflektieren, Verantwortung für ihre berufliche Entwicklung übernehmen und gegebenenfalls Veränderungen anstoßen.

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